Alutechnik Matauschek
20.04.2010
Der Jugend eine Chance!
Land der Hämmer – das Wort passt gut auf die Mürz-Murfurche, wo früher hauptsächlich steirisches Eisen verarbeitet wurde. Heute steht innovativen Unternehmen allerdings die ganze Vielfalt aktueller Rohstoffe zur Verfügung, der Werdegang der Firma Alutechnik Matauschek gibt dafür ein prächtiges Beispiel ab. 1913 als Huf- und Wagenschmiede in der Kapfenberger Altstadt gegründet, entwickelte sich das Unternehmen in der Nachfolgegeneration zur Schlosserei, begann sich danach mit der Fensterproduktion zu befassen und bedient nunmehr einen handverlesenen Kundenkreis mit Aluminiumfenster-, Tür- und Wintergartenkonstruktionen des gehobenen Qualitätsstandards.
Und was mit dem am Amboss stehenden Urgroßvater begann, hat sich über bald 100 Jahre zu einem blühenden Mittelbetrieb entwickelt – mehr als 100 Mitarbeiter, darunter 18 Lehrlinge, setzen neuneinhalb Millionen Euro in dem großzügig dimensionierten Betrieb im Kapfenberger Industriegebiet um.
GF Ing. Franz Matauschek, selbst Vater zweier Söhne und seit seinem vierzehnten Lebensjahr im Unternehmen tätig, sieht bei fast 20 Prozent der Lehrlinge kein Problem, nicht zuletzt, da erst seit dem Jahre 2004 der Beruf des Metallbautechnikers existiert.
„Diese Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre, in denen die jungen Leute speziell für den Bereich Fenster, Wintergärten und Fassaden geschult werden. Sie lernen mit dem Werkstoff Metall zu planen, zu fertigen und zu montieren, wobei mit unterschiedlichsten Materialien gearbeitet wird. Dazu gehört der Umgang mit Glas, mit Aluminiumprofilen, mit der Pulverbeschichtung, um nur einige Bereiche zu nennen. Auch die Montage beim Kunden muss gelernt werden.“
Neben der Berufsschule durchlaufen die jungen Mitarbeiter – immerhin konnten die Kapfenberger Alutechniker auch ein Mädchen für die Ausbildung gewinnen – als firmeninternes Ausbildungsprogramm im Unternehmen 22 Stationen, in denen sie je etwa zwei Monate bleiben, sodass sie mit Beendigung ihrer Ausbildung jeden Bereich der Produktion kennengelernt haben.

Metall und Glas – das Bürogebäude der Alutechnik Matauschek GmbH demonstriert die Konstruktionsmöglichkeiten eindrucksvoll.
Jedes Jahr müssen die Lehrlinge über zwei Monate nach Mureck im äußersten Südosten des Landes in die Berufsschule – ist das nicht eine große Belastung für die, die nur die bescheidene Lehrlingsentschädigung erhalten?
„In unserem Kollektivvertrag geht das Internat zulasten des Unternehmens, das ist aber nicht in allen Berufen so“, klärt Ing. Matauschek auf.
Aber Probleme mit leistbarem Wohnraum ergeben sich für die Lehrlinge natürlich auch am Arbeitsplatz: „Nachdem Böhler jedes Jahr einen Großteil der im Ort verfügbaren Lehrlings-Aspiranten an sich zieht, haben wir im vergangenen Jahr begonnen, auch Jugendliche, die nicht unmittelbar in Kapfenberg wohnen, anzusprechen. Wir haben damit geworben, dass wir unseren Lehrlingen voll eingerichtete Garconnieren zur Verfügung stellen. Im ersten Lehrjahr wohnen sie dort kostenlos, in den Folgejahren heben wir einen bescheidenen Mietbeitrag ein, der dem steigenden Einkommen jeweils angepasst wird. Dadurch erreichen wir den pädagogischen Effekt, dass Unterkunft nicht gratis ist, dass man dafür auch etwas leisten muss.“
Wo aber Leistung gefordert wird, ist die Frage nach dem so oft beklagten mangelhaften Niveau der Jungen einfach ein Muss.
Ing. Matauschek sieht es pragmatisch. „Zunächst einmal muss der, der Jugendliche ausbilden will, die Jugendlichen auch mögen. Mir machen die Tatoos, die Ringe, die sie tragen, und die Art, wie sie sich kleiden, einfach Spaß, das bringt doch Farbe ins Leben. Mir ist es egal, ob sie 12 x 12 rechnen können oder Englisch sprechen, denn beides werden sie bei uns nicht brauchen. Bei mir müssen sie einfach wollen, dann geht es auch. Denn wenn sie bei uns anfangen, sind sie eigentlich noch Kinder, die gar nicht wissen, was auf sie zukommt. Ich sehe da eher die Problematik im Elternhaus, von dem sie immer weniger mitkommen. Deshalb müssen wir beginnen, denen erst einmal Kleinigkeiten beizubringen, wie zu grüßen, zu bitten oder zu danken. Bei uns gibt es eine Art Verhaltenscodex mit 24 Punkten, der Arbeitssicherheit ebenso beinhaltet wie das Benehmen oder auch den Umgang mit Geld – Handykosten sind eine große Falle. Das greift ein wenig in das Privatleben ein, aber wenn das nicht einmal funktioniert, dann funktioniert wohl gar nichts.“
Dass auch bei diesen großen Bemühungen nicht jeder den Lehrabschluss bei Matauschek erlebt, ist trotzdem klar: „Die ersten drei Monate sind hart“, sagt der Geschäftsführer. Das beginnt bei der Pünktlichkeit, sie müssen ja täglich um drei viertel sechs da sein, „krankfeiern“ tolerieren wir nicht, einen seltenen „Umfaller“ schon eher. Ich bin da nicht so sehr der Firmenchef, die Lehrlinge können mit allem zu mir kommen, viele haben auch meine Telefonnummer. Eigentlich haben wir da eine Engelsgeduld, so lange ich sehe, dass da ein Wollen ist. Und letztlich bringen wir dann drei Viertel zur Gesellenprüfung.“
Schön, dass es noch so engagierte Unternehmen gibt.
(Redaktion: Dieter Schaufler, Metall)

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