Ein Beitrag von Eberhard Fuchs
17.02.2009
Im Reich des Drachen
Herwig Haunschmid, Geschäftsführer der Mechatronikschmiede Vatron, eine TochterÂgesellÂschaft von voestÂalpine und Siemens VAI, wird nicht müde, als Botschafter seiner Firma in der Weltgeschichte zu reisen und aufzureißen. So hat der quirlige Boss von Vatron inmitten der aggressivsten Eisen- und Stahlindustrie sein Unternehmen platziert, um das Geschäft mit Simulatoren nachhaltig anzukurbeln, denn der Markt der voestalpine-Tochter sind eindeutig die Stahlunternehmen weltweit.
Simulatoren
Das ist das Kerngeschäft der Firma. In diesem Segment bietet das Unternehmen Lösungen für Walz- und BeschichtungsÂanlagen. Und das mit Erfolg. Haunschmid: „Vier Simulatoren (drei Glüh- und ein Kaltwalzsimulator)im Wert von rund 3,6 Mio. € haben wir bereits verkauft. Dazu kommt, dass wir gemeinsam mit der VAI im Anlagengeschäft tätig sind.“ Umtriebigkeit liegt in der Natur von Haunschmid. So wurde der reisefreudige Manager zum „Technologieforum for Iron- and Steel Industry“ nach Zhuhai eingeladen und konnte dort vor den Spitzen der chinesischen Stahlindustrie die Vorzüge seiner Produkte präsentieren. Da die Chinesen nur Mandarin verstanden, so wie wir halt Bahnhof, übersetzte die GeschäftstellenÂleiterin der Vatron in China (Sha Jiang) vom Englischen ins Chinesische. Der Vorteil dieser Präsenz: „So kommen wir ins Gespräch mit unseren Kunden und formen das Image- und den Bekanntheitsgrad von unseren Produkten und den dahinterstehenden Unternehmen“, sieht der engagierte Bogenschütze und Vize-Europameister im Segeln seinen Kurs in Richtung Wachstum. „Als Nächstes steigen wir in den amerikanischen Markt ein, denn dort herrscht aufgrund der prekären Lage in der Stahlindustrie ein Nachholbedarf bei Investitionen. Die haben in den letzten Jahren zu wenig investiert und hinken dadurch in ihrer Produktivität ziemlich nach.“
Der Mechatronikspezialist
Die Vatron wurde 1998 gegründet und ist eine Tochterfirma von voestalpine (71 Prozent) und Siemens VAI (29 Prozent). Die Kernkompetenzen liegen in der Entwicklung, Produktion und Inbetriebnahme von mechatronischen Mess- und Regeleinrichtungen für Industrieanlagen. Das Unternehmen setzt mit 200 Beschäftigten knapp 35 Mio. Euro um. In China werden Simulatoren für Walz- und Beschichtungsanlagen angeboten, wie zum Beispiel Crisp Kaltwalzsimulator (cold rolling process simulator), Multipas Glühsimulator (multi purpose annealing simulator), Galvasim Schmelztauchsimulator (hot dip galvanizing simulator) und Laborgeräte (laboratory equipment).
Chinesische Eisen- und Stahlindustrie
Ein Blick auf die Karte Chinas zeigt (siehe Foto), was in diesem Land, das etwa gleich groß wie Amerika ist, aber über ein hohes Kaufkraftpotenzial verfügt, in Sachen Produktion abläuft. So produziert China rund vier Millionen Tonnen Stahl. Allein die Inlandsnachfrage formt diese Industrie, die mittlerweile zu der größten weltweit zählt. Trotz dieses Hype macht auch die Finanzkrise vor China nicht halt. So sprach Tia Yinsong vom Ministerium für Rohstoffe und Industrie von einem „Financial Tsunami“, der auch erste Spuren auf den chinesischen Märkte hinterlassen hat. „Das Geschäft läuft stockend“, so Yinsong. Die Inlandsnachfrage kränkelt und die Auslandsnachfrage hüstelt. Das Eisen- und Stahlforum in Zhuhai (eine kleine chinesische Stadt in der Nähe von Hongkong) zeigte klar auf, dass sich auch die chinesische Wirtschaft warm anziehen muss. „Da die Krise auch nicht vor China halt macht, müssen Lösungen verstärkt in einer Technologieoffensive und stärkeren Penetrierung des Domestik- und Exportmarktes gesucht werden“, meinte Yinsong beim Forum. Der Vorteil der Chinesen liegt auf der Hand: Die Eisen- und Stahlindustrie wächst kontinuierlich mit der Inlandsnachfrage. Der Konjunkturmotor der Europäer lebt vor allem von den Exportmärkten. China spielt dabei eine wichtige Exportrolle. Doch auch im Land der Mitte warnen mittlerweile Stimmen vor einem Wirtschaftseinbruch. So mahnte der Pekinger Universitätsprofessor Zhao Xiao vor der Krise und meinte: „Unterschätzen wir sie bitte nicht.“ In den nächsten drei Jahren pumpt die chinesische Regierung laut Xiao 400 Billionen Euro in die Wirtschaft, damit weiteres Wachstum garantiert ist. Haunschmid hob in seinem Vortrag wiederum die Vorzüge seine Simulatoren hervor und stellte klar: „Die Krise ist mit Technologievorsprung zu bekämpfen. Und dafür haben wir die passenden Lösungen.“ Und dass die Vatron auf der Überholspur ist, zeigt der kürzlich vollzogene Merger mit der Bodenseer Breuckmann GmbH. „Dies ist eine Investition in die Zukunft. Mit einem Experten wie Breuckmann ergeben sich Synergien, die den Markt revolutionieren können und die beiden Partnern Vorteile bringen“, präzisiert Haunschmid den Deal. Breuckmann, der deutsche Experte für präzise dreidimensionale Vermessung, beschäftigt 45 Mitarbeiter und setzt im Jahr 7 Mio. Euro um. Für die Vatron bedeutet die Übernahme eine Weiterentwicklung im Bereich optische Messtechnik.

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