18.02.2009
Mit dem Amboss auf "Du"
Von Mike M. Skala
Unter der erstmaligen Leitung des neuen Werkstättenleiters Schmiedemeister Siegfried Steiner wurden den acht Kursteilnehmern nicht nur die handwerklichen Grundfertigkeiten, sondern auch die Stellung des Schmiedens in der heutigen Zeit, besonders auch im Umfeld der Denkmalpflege, mit all ihren Problemen aber auch Chancen naheÂgebracht. Seit nunmehr 14 Jahren finden in der Kartause Mauerbach mehrmals jährlich Grund- und Folgekurse für Schmiede in der Denkmalpflege statt. Diese Kurse wurden von Mag. Walfrid Huber ins Leben gerufen und erfolgreich aufgebaut. Dabei werden den Kursteilnehmern fast verlorene historische Techniken vermittelt, um diese Kenntnisse bei aktuellen Restaurierungsmaßnahmen wieder einsetzen zu können. Nach einem kurzen Überblick über die jüngere Historie des Handwerks begann das „1x1 des Schmiedens“ mit der korrekten Auswahl der Kohle, dem sauberen Aufbau der Befeuerung und dem Unterhalt des Schmiedefeuers in der Esse. Anhand von praktischen Beispielen wurden die einzelnen Schmiedetechniken vertieft. Die Übungen hatten nicht das Ziel, wie oftmals bei einem Hobbykurs, dekorative Kleinigkeiten für zu Hause herzustellen. Einfache Haken, Nägel, Krampen und Fenstergitter dienten als Beispiele für die unterschiedlichen Techniken und die Handhabung der Werkzeuge.
Die Kursteilnehmer kamen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Metallhandwerks: vom Landmaschinentechnikerlehrling, über den Dachdeckermeister mit eigenem Betrieb, bis zum schon „fast“ pensionierten Meister, der seine nach dem Krieg schon einmal gelernten Techniken auffrischte, um seinen Lehrlingen eine solide Ausbildung in diesen Techniken vermitteln zu können. Immer wieder wurden Erläuterungen und auch Rechenbeispiele eingestreut, um auch den Hintergrund gewisser Schmiedetechniken zu verstehen.
Die Arbeit an den historischen Ambossen wurde durch theoretische Module aufgelockert. Mag. Astrid Huber vom Bundesdenkmalamt erläuterte die Motivation für die Veranstaltung dieses und vergleichbarer Kurse und ermöglichte eine hochinteressante Führung durch die Restaurierwerkstätten der Baudenkmalpflege in der Kartause Mauerbach. Siegfried Steiner beeindruckte mit Beispielen zur Dokumentation seiner Arbeiten im Bereich der Denkmalpflege, besonders mit den Arbeiten an der Nordtreppe des Schlosses Schönbrunn. Betont wurde immer wieder die Zusammenarbeit zwischen Handwerkern und Restauratoren. Gemeinsam muss zwischen den Vorstellungen der Kunden und dem, was aufgrund der Vorschriften und Kosten realisierbar ist, vermittelt werden. Keine einfache Arbeit, aber eine spannende Aufgabe, die dem Schmiedetechniker heutzutage eine Chance gibt.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts verlor das traditionelle Schmieden in der Architektur an Bedeutung; eine wertvolle Technik wurde vernachlässigt und aus dem Alltag verdrängt. Die Kurse in Mauerbach dienen daher neben der soliden Wissensvermittlung für die Erhaltung unserer Denkmäler auch der Verfestigung dieses Handwerks in der heutigen Kultur und dem Versuch, diesen vielseitigen Beruf des Schmieds auch in der Architektur wieder in zeitgemäßen Formen zur Anwendung zu bringen.

METALL
|
|
NEWSLETTER
|
BESTELLEN |
Specials
ADVERTORIAL
|
Sicherheit am Bau: Aktuelle Tipps und Veranstaltungsreihen
|
Werbung
Werbung




Drucken
Empfehlen
Kommentieren
Share
Kommentar schreiben






