Round-Table-Gespräch
17.03.2009
Der K(r)ampf mit Brandschutzpaneelen
Brandschutzpaneele mit einem Kern aus Steinwolle sind im Praxiseinsatz stark genutzt. Doch Vorsicht: Steinwolle ist hygroskopisch und saugt daher Feuchtigkeit an. Was das für die Paneele bedeutet, ist wohl klar: Dichtheit und Dämmwert können durchaus variieren und an Tragfähigkeit verlieren. Metall hat Experten an den Tisch geholt und über diese Problematik das nachfolgende Round-Table-Gespräch geführt.
Metall: Wie kam es zu Dichtheits- und Dämmproblemen bei Brandschutzpaneelen?
Wiesinger: Das Problem bei Brandschutzpaneelen mit der Dampfdiffusion ist nicht neu, man kennt das aus den zweischaligen Trapezblechdächern von früher. Und man hat schon damals erkannt, wenn die Dampfbremse fehlt respektive beim Einbau beschädigt wurde, dann kommt es durch das Eindringen von Feuchtigkeit, sprich Kondensat, zu Problemen mit der Dämmschicht und in weiterer Folge zum Supergau.
Metall: Das heißt: Das Eindringen von Nässe kommt in erster Linie bei Brandschutzpaneelen mit Steinwollkern vor?
Wiesinger: Ja, aber das Problem kann auch durch mangelhafte Verlegung bei PU-Paneelen auftreten. Nur durchfeuchtet das auftretende Tauwasser den Dämmkern nicht, weil der PU-Dämmkern unempfindlich ist gegenüber der Durchfeuchtung. Die Steinwolle ist da halt empfindlicher.
Siokola: Das Steinwollpaneel garantiert, dass Anforderungen an den Brandschutz erfüllt werden. Das bedeutet z. B. unbrennbare Bedachung oder gewisse Anforderungen an den Brandwiderstand.
Wiesinger: Ich komme immer wieder zu Fällen in der Praxis, wo aus für mich unvorstellbaren Gründen von Sachverständigen der Gebietsbauämter unbrennbare Dächer vorgeschrieben werden.
Metall: Hr. Vertetics, was sagen Sie als Produzent solcher Paneele zu der Problematik?
Vertetics: Herr Dr. Siokola hat es ja schon gesagt. Benützt werden die Steinwollpaneele nur dort, wo Brandschutz erforderlich ist. Im Normalfall werden eher PU-Paneele eingesetzt. Natürlich kann auch durch die Verarbeitung ein Verschulden auftreten.
Siokola: Da muss ich schon einhaken. Es ist nicht die falsche Verlegung Schuld am Kondensat, sondern einfach die Tatsache, dass die Standarddichtung nicht wirklich Dampfdichtheit gewährleistet. Auch bei sorgfältiger Verlegung wird es sich nicht vermeiden lassen, dass Fugen ein bisschen kleiner oder auch größer sind.
Wiesinger: Das Problem mit der Dampfdichtheit betrifft alle Paneelerzeuger in Europa. Das ist ja nicht hausgemacht. Außerdem dürfen Sie nicht vergessen, dass rund 100 Mio. m2 Sandwichpaneele in Europa in einem Jahr verlegt werden.
Siokola: Die Firma Brucha, die in Vertretung durch Herrn Vertetics an diesem Gespräch teilnimmt, hat sich dankenswerterweise des Problemkreises angenommen und steht hier stellvertretend für andere Anbieter. Sie sind aber die einzigen, die in der Öffentlichkeit etwas dagegen tun.
Metall: Wie lange gibt es diese Paneele schon am Markt?
Siokola: Seit 1997. PU-Paneele wurden beispielsweise von der Firma Brucha im Kühlhausbau eingesetzt und die Fugen wurden standardmäßig alle nachgedichtet und zusätzlich abgedichtet. Nur hat man damals nicht geglaubt, dass bei simplen Anwendungen im Bau diese Effekte solche gravierende Auswirkungen haben. Bei den Kühlhauspaneelen war das alles bekannt.
Wiesinger: Der Hauptgrund der Abdichtung in den Kühlhäusern war nicht nur die Hygiene, sondern vor allem der Vakuumeffekt. Unterschätzt hat man sicherlich die SituaÂtion bei den Sandwichpaneelen mit dem Kern aus SteinÂwolle. Bei diesen Paneelen ist man auf den Markt gegangen, ohne die Wolle im Stoßbereich zu schützen. Dadurch entstanden halt auch die Probleme.
Metall: Hat man aufgrund der Feuchtigkeitsprobleme das Paneel nachjustiert?
Wiesinger: Genau. Und was die Firma Brucha betrifft, hat man Folgendes gemacht: Man schützt mit einer Dampfbremse den Wollkern vor Eintritt von Feuchtigkeit. Diese Dampfbremse garantiert auch das Überleben dieses Paneels in Zukunft. Und zusätzlich kommt noch eine geschlossenporige Dichtung in das Paneel, die ein breites Toleranzspektrum bietet.
Metall: Damit ist das Problem gelöst?
Wiesinger: Eigentlich ja. Damit ist es gelöst. Es gibt auch andere Anbieter am Markt, die haben das bis heute nicht gelöst. Ich habe konkret mit einem Anbieter gesprochen (Name ist der Redaktion bekannt) und der hat bis heute die Dampfbremse nicht eingebaut.
Metall: Wen trifft eigentlich die Haftung?
Wiesinger: Aus meiner Sicht kann ich nur sagen, der Hersteller hat schon die Verpflichtung, ein funktionierendes Produkt auf den Markt zu bringen. Im Zweifelsfall muss man halt die Sachlage prüfen.
Metall: Wie hat Brucha auf die Probleme reagiert?
Vertetics: Wir haben ja einen speziellen Anlassfall, der Herrn Dr. Siokola von der Firma Zeman betrifft. Das heißt: Im konkreten Fall stellt die Verlegung komplett andere Ansprüche als bei einem PU-Paneel. Und wir garantieren, dass das Produkt dort, wo eine hundertprozentige Fugenausbildung nicht möglich ist, von uns unterstützt wird. Wir haben bei den Steinwollpaneelen eine Schutzfolie aufgebracht, versehen mit einer zusätzlichen Dichtung, damit das Eindringen von Feuchtigkeit unterbunden wird.
Siokola: Wir kennen natürlich die Problematik bei zwei schaligen Trapezblechdächern und haben die Probleme schon immer gehabt. Daher war für uns klar, dass wir solche Dächer nur so verlegen, dass die innere Schale im Gefälle liegt. Und eines ist uns auch wichtig: Der Anfall von Kondensat ist a priori noch kein Baumangel, sondern wird dann ein Baumangel, wenn das anfallende Kondensat nach obenhin nicht abdampfen kann. Und das Furchtbare daran ist, dass die Paneele nach obenhin dicht sind und das Wasser im Inneren nicht herauskann. Damit saugt sich der Steinwollkern voll und kann im Prinzip nicht abfließen. Dadurch ist der Dämmwert der Steinwolle schlechter geworden, und das war vor allem ein physikalisches Problem. Nur wenn der Steinwollkern verloren geht, dann wird es auch ein statisches Problem.
Metall: Wo treten die Tragfähigkeitsprobleme auf?
Siokola/Wiesinger: Dort, wo starke feuchtigkeitsgesättigte Luft auftritt. Ist eine Halle sehr kalt, ist kaum Luftfeuchtigkeit vorhanden. Auch in warmen Hallen ist das Problem nicht virulent. Schwierig wird es nur, wenn kalte und warme Luft aufeinandertrifft.
Metall: Wie hat man das Problemkind "steinwollgefüllte Paneele" überhaupt erkannt?
Siokola: Der Zufall hat Regie geführt. Wiesinger und ich haben uns bei einer Firma getroffen und er meinte: "Sie wissen, dass Sie hier ein Problem mit den Sandwichpaneelen haben?" Zuerst habe ich mir gedacht, dass der Wiesinger den Teufel an die Wand malt, aber bald darauf habe ich festgestellt, dass der Wiesinger recht hat. Daraufhin habe ich im Internet und bei Gutachtern recherchiert und dabei festgestellt, dass das Problem auch in Deutschland vakant ist. Und der Gutachter hat mir bestätigt, dass in Deutschland mittlerweile zigtausend Quadratmeter mit dieser Misere konfrontiert sind. Teilweise mit Totalschäden.
Metall: Und was macht die Firma Zeman beim aktuellen Anlassfall in Kärnten konkret?
Siokola: Unsere Firma hat einen Sanierungsvorschlag ausgearbeitet und bessert die Fugen nach. Das heißt: Wir werden die Fugen zusätzlich mit einem dampfdichten Klebeband abdecken. Und in Zukunft hoffen wir, dass die Dampfbremse (Folie und Dichtung) von der Firma Brucha vor Durchfeuchtung schützt.
Metall: Mit wie vielen Problemfällen ist die Firma Brucha in den letzten Jahren konfrontiert gewesen?
Vertetics: Voriges Jahr haben wir drei Fälle gehabt, dort wo Sanierung möglich war, haben wir saniert und dort, wo wir komplett austauschen mussten, haben wir das gemeinsam mit dem Verleger gemacht.
Metall: Hat sich das Paneel mit der neuen Dampfbremse verteuert?
Vertetics: Nein, die Preise sind stabil geblieben.
Metall: Wie aktuell ist das Problembewusstsein über die Paneelproblematik bei den Professionisten?
Siokola: Praktisch null.
Wiesinger: Stimmt. Da bin ich der gleichen Meinung.
Siokola: Ich glaube, wir haben als Firma Zeman viel Ahnung von der Verlegung und haben es bis voriges Jahr praktisch auch nicht gewusst. Daher ist es wichtig, dass sich die Fachzeitungen wie Metall und Architektur & Bau Forum des Themas annehmen, damit das Problembewusstsein steigt.
Metall: Ich denke, das Gespräch hat gezeigt, dass es ein Problem bei Brandschutzpaneelen gibt und dazu auch Lösungen: Mit der Dampfbremse (Folie + Dichtung) hat die Firma Brucha ihre Paneele vor Eindringen von Nässe nachhaltig geschützt.
Wir danken für das Gespräch.
Gesprächsteilnehmer
Helmut Vertetics, Qualitätssicherung Firma Brucha, DI Dr. Walter Siokola, Zeman & Co. GmbH Ing. Reinhard Wiesinger, Planer und Sachverständiger, Eberhard Fuchs, Chefredakteur Fachmagazin Metall, DI Tom Cervinka, ÂChefredakteur Fachzeitschrift Architektur & Bau Forum, ÂLeo Ochsenbauer, Chef vom Dienst Fachmagazin Metall

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