Konjunkturbarometer Maschinenbau
17.03.2009
Wie wirklich ist die Wirklichkeit (der Krise)?
Im Auftrag der Fachzeitschrift Metall befragten Meinungsforscher des Wiener Marktforschungsunternehmens Membermind 100 führende Mitarbeiter von Unternehmen der österreichischen Maschinenbauindustrie zur „Krisensituation“ in Österreich. Was dabei herauskam, hat unsere Redaktion doch ziemlich verblüfft, scheint ein Großteil der Krisenstimmung doch tatsächlich rein psychologische Hintergründe und eher weniger reale Hintergründe zu haben – soll heißen, manches ist in der Praxis ganz anders, als man es sich einzureden versucht.
Tatsächlich scheinen die Meinungsbildner der Unternehmen durch die Medien massiv in ihrer Einschätzung der tatsächlichen Situation beeinflusst zu sein. Anders lässt sich wohl nicht erklären, dass die befragten Entscheidungsträger die allgemeine Konjunktursituation in ihrer Branche durchwegs schlechter einschätzen, als die im eigenen Unternehmen. Im Detail bedeutet dies, dass zwar 57 Prozent der Befragten die konjunkturelle Entwicklung im eigenen Betrieb optimistisch bis sehr optimistisch betrachten, in der eigenen Branche erwarten sich aber nur 26 Prozent der Befragten einen positiven Verlauf, 20 Prozent sehen die Entwicklung sogar pessimistisch bzw. sehr pessimistisch. Bei der allgemeinen konjunkturellen Entwicklung der Wirtschaft in Österreich gehen überhaupt gleich 38 Prozent von einer negativen Entwicklung aus. Auch die Meinung der Wirtschaftstreibenden über die Wirtschaftsforscher scheint eher getrübt zu sein, betrachtet man die Antworten auf die Frage, ob die Prognosen der Wirtschaftsforscher für die konjunkturelle Entwicklung für 2009 richtig sind. Zwar scheint es 24 Prozent Zweckoptimisten zu geben, die die Entwicklung sogar positiver als die Wirtschaftsforscher sehen, aber immerhin beachtliche 41 Prozent sehen die Zukunftsaussichten weniger rosig. Ein allgemeiner Zweckpessimismus scheint hier im heimischen Maschinenbau Einzug gehalten zu haben. So ist wohl auch zu erklären, dass etliche Unternehmen die Entwicklung ihres eigenen Unternehmens durchaus positiv sehen, dennoch aber lieber mal vorsichtshalber Gelder zurückhalten, um für eine eventuelle Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage dann doch gut gerüstet zu sein. Dass die Maßnahmenpakete der Regierung in der jetzigen Situation regulierend wirken und tatsächlich den erhofften Aufschwung bringen, scheint auch nur ein verschwindend kleiner Teil der Befragten zu glauben. Nur matte zehn Entscheidungsträger von den 100 Befragten glauben an die Konjunkturmaßnahmen, stattliche 61 Prozent sind der Meinung, sie werden zu wenig greifen. Die fünf Personen, die glauben, die Maßnahmen schaden mehr, als sie nutzen, scheinen auf alle Fälle zu den tatsächlichen Pessimisten zu zählen, immerhin 22 Prozent denken aber zumindest, dass die Bemühungen der rot-schwarzen Regierung gar nicht greifen. Das Vertrauen in die Politik dürfte also für den gelernten Österreicher auch ziemlich getrübt sein. Natürlich wollten wir nicht nur den Meinungsumfragen vertrauen, sondern haben uns auch selbst in der Wirtschaft umgehört. Wie zu erwarten – und wie es auch in der Umfrage herauskam – sind die Wirtschaftstreibenden aber durchaus optimistisch und sehen vor allem für ihr eigenes Unternehmen in der derzeitigen „Krise“ durchaus auch eine Chance. So will sich etwa der Spanntechnik- und Automatisierungsprofi Schunk mit Kreativität und neuen Ideen für die Zukunft rüsten. Die hohe Qualität der eigenen Produkte soll dabei auch durchaus aus Verkaufsargument zählen. Auch bei Siemens – ebenso wie bei der Messe Brünn – sieht man gerade jetzt die Zeit für Innovationen gekommen. Das ÂMotto aller Befragten scheint zu sein: „Aus der Krise eine Chance machen!“ – und das ist doch durchaus eine gute Einstellung.

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