Von Christopher Genss von Greverode
17.03.2009
Dächer der Welt
Die Sanierung des um 1900 erbauten Wohnhauses in der Patrubangasse 4 bot dem Wiener Architekten ÂRoger Karré eine solche Gelegenheit. Neben der Modernisierung und der Neugliederung der Wohneinheiten wurde dem Bestandsbau ein komplett neues Dachgeschoß aufgesetzt, das in Gestalt und Material einen ganz eigenständigen Gebäudecharakter hat.
Ein besonderer Reiz des Bestandsbaus liegt in seiner dem Straßenverlauf angepassten Krümmung, die ihm eine dynamische, durch die horizontale Gliederung der Fassade verstärkte Beschleunigung verleiht. Der stromlinienförmige Dachaufbau, der dem Sockelbau wie eine flache Walze aufsitzt, unterstreicht den dynamischen Charakter des Gebäudes und schafft zugleich in Form- und Farbgebung eine sichtbare Differenzierung zwischen Altbestand und Neuaufbau. Damit setzte Karré bewusst nicht auf ein traditionelles Erscheinungsbild, sondern auf den Kontrast von Alt und Neu. „Unsere Konstruktion“, so Karré, „tut nicht so, als ob sie ein Dach wäre – obschon sie es ist. Unter dem walzenförmigen Aufbau verbirgt sich die normale Dachschräge mit aufgesetzten Gauben.“ Der untere Teil der Walze erfüllt dabei die Funktion des alten Gesimses und nimmt die Regenrinnen auf. An ihrer Flanke öffnet sich die Konstruktion und gewährt den Dachgauben einen großartigen Fernblick auf die Gegend des nahegelegenen Laaer Berges. Weiter oben findet die Lamellenstruktur des unteren Teils dann ihre Fortsetzung in einer Pergola aus Rohren, die als Sonnenschutz fungieren und dem ganzen Gebilde einen schiffsartigen Charakter geben. Die Stirnwände sind hingegen vollständig verkleidet.
Zu den fünf Wohneinheiten, die in der Dachkonstruktion untergebracht sind, gehören auch die Dachterrassen, die erst im Zuge der Sanierung entstanden und über verglaste Aufgänge begehbar sind. Für den Innenausbau des Dachgeschoßes, die Böden und Oberflächen wurden hochwertige Materialien verwendet und somit eine besondere Wohnqualität geschaffen. Die mit anthraziten Prefalzbahnen von Prefa verkleidete, rundliche Walze sollte sich deutlich von dem in hellen Graunuancen gehaltenen, kantigen Sockelbau abheben. Alternativ denkbare Zink- oder Kupferbleche sind nicht in einer so passenden Kontrastfärbung erhältlich und wären also ästhetisch unbefriedigend gewesen. Zudem sind diese Materialien für viele Spengler schwieriger zu verarbeiten und damit insgesamt teurer. Die Aluminiumverkleidung ist quasi wartungsfrei, außerordentlich langlebig und somit sehr kostengünstig – ein Aspekt, auf den es den meisten Bauherren besonders ankommt. Auch gibt Aluminium keinerlei Schadstoffe an die Umwelt ab und schont somit die natürlichen Ressourcen der Natur. Das Wohnhaus in der Patrubangasse ist ein interessantes Beispiel für moderne Stadtbausanierung. Ein kühner Entwurf, der mit hochwertigen Materialien von kundigen Handwerkern umgesetzt wurde.

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