ARGE Automotive Zulieferindustrie
17.03.2009
Effiziente Maßnahmen gegen Krise
Dass die heimischen Unternehmen der automotiven Zulieferindustrie in der Vergangenheit ihre Hausaufgaben bestens bewältigt haben, zeigt die Entwicklung der Branche, die zu den beeindruckenden wirtschaftlichen ErfolgsÂgeschichten in unserem Land zählt“, erklärte Dietmar Schäfer, Vorsitzender der ARGE Automotive Zulieferindustrie, anlässlich einer Pressekonferenz. Laut einer aktuellen Studie wuchs der Sektor allein seit 2002 um durchschnittlich 12 Prozent pro Jahr und ist heute eine der Top-Industrien Österreichs. „Umso besorgter sehen wir die derzeitige kritische Branchenkonjunktur. Aufgrund einer Blitzumfrage wissen wir, dass der Automotive Sektor die realen Auswirkungen der Wirtschaftskrise 2009 voll spüren wird. 50 Prozent der Unternehmen planen jedenfalls in den nächsten Wochen und Monaten Kurzarbeit einzuführen, um die Belegschaft bzw. den Standort halten zu können“, skizziert Schäfer die Situation. In Anbetracht der Schlüsselposition, die die Automotive Zulieferindustrie für viele andere WirtschaftsÂbereiche in Österreich hat, handelt es sich dabei um eine äußerst gefährliche Situation für den gesamten Industriestandort Österreich, die kaum eine Branche unberührt lassen wird. „Oberste Priorität haben für uns effiziente Maßnahmen, die die Situation nachhaltig verbessern. Denn es geht bereits um mehr als die Rettung des Automotiven Sektors, es geht um die AufrechtÂerÂhaltung des Industriestandorts Österreich“, bringt es der ARGE-Vorsitzende abschließend auf den Punkt.
Arbeitsmarkt und Finanzierung
Grundsätzlich positiv wird daher ein im Parlament eingebrachter Initiativantrag zur Verlängerung der Kurzarbeit von den ARGE-Vertretern gesehen. Zwar muss noch das Detailergebnis der parlamentarischen Verhandlung abgewartet werden, aber die Maßnahme ist ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung. Allerdings stellt die Maßnahme noch keine finanzielle Unterstützung der durch die Wirtschaftskrise gefährdeten Unternehmen dar. „Eine aliquote Übernahme der LohnnebenÂkosten, wie es in Deutschland Teil des Konjunkturpakets ist, wäre eine logische und sinnvolle Entlastung der krisengeschüttelten Betriebe und damit ein Beitrag zum Erhalt von tausenden Arbeitsplätzen“, fordert daher Schäfer. Zusätzlich werden nach Meinung der ARGE auf alle Fälle auch Sonderregelungen im Bereich Arbeitszeit nötig sein. Eine gesetzliche Ausweitung der Arbeitszeitflexibilisierung ermöglicht den Unternehmen eine entÂsprechende Kapazitätsanpassung an die Auftragslage. „Auf alle Fälle muss bei all diesen Ansätzen in Anbetracht der KMU geprägten Unternehmensstruktur berücksichtigt werden, dass diese auch von kleinen Unternehmen bzw. beim Fehlen von Betriebsräten genutzt werden können“, so der ARGE-VorÂsitzende. „Neben den Regelungen am Arbeitsmarkt hat die Verbesserung der Finanzierungsbedingungen durch die Banken absolut Vorrang. „Die Leitzinssenkung der EZB kommt noch nicht bei den Unternehmen an, sondern wird von den Banken in Form von höheren Margen konsumiert. Die KreditzurückÂhaltung muss umgehend beendet werden, um den Unternehmen Überbrückungsliquiditäten zu ermöglichen. Solange das BankenÂpaket daher noch nicht greift, sollte eine InvestitionsunterÂstützung durch die öffentliche Hand, z. B. in Form von staatlichen Haftungsübernahmen für Finanzierungsinstrumente der Unternehmen, ins Auge gefasst werden“, erklärt Bruno Krainz, Bereichssprecher für Infrastruktur der Bundessparte Industrie.
Forschungsförderung und NOVA als weitere Baustellen
Zusätzlich zu den erwähnten Punkten fordert die ARGE die Erhöhung der Forschungsdotierung. Gerade in Zeiten schwacher Konjunktur gilt es, die Innovationskraft der Unternehmen zu unterstützen. Eine weitere Maßnahme bezieht sich auf eine CO2-orientierte Neugestaltung der NOVA, die durch eine Staffelung nicht nur den Neuwagenkauf stimulieren würde, sondern auch umweltpolitische Steuerungseffekte hätte. „In jedem Fall muss man bei einer Reform der Kfz-bezogenen Steuern berücksichtigen, dass Österreich einen EU-weiten Spitzenplatz bei der SteuerÂbelastung pro Fahrzeug einnimmt. In Anbetracht der offensichtlichen, volkswirtschaftlichen Relevanz der Automotiven Zulieferindustrie besteht hier unmittelbarer Bedarf zur Besinnung auf die Interessen des vom Automobil geprägten Wirtschaftsstandorts Österreich und damit zur Kurskorrektur“, fordert Krainz.
Zulieferer voll getroffen
Eine brandaktuelle Befragung des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI) belegt, dass die Finanz- und Konjunkturkrise erst 2009 in der heimischen automotiven Zulieferindustrie in vollem Ausmaß durchschlagen wird: „Wir rechnen in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres mit dramatischen Rückgängen. Neun von zehn Unternehmen sprechen von teils massiven negativen Auswirkungen auf ihre Aktivitäten, die von Auftrags- und Umsatzeinbrüchen (63 Prozent der Unternehmen mit mehr als 10 Prozent Minus) über Investitionsstopps bis hin zur Schließung von Produktionsstandorten reichen werden“, präsentierte IWI-Geschäftsführer Herwig Schneider die Ergebnisse. Knapp 40 Prozent der Betriebe gehen weiters davon aus, dass die negativen Effekte bis Ende 2010 zu spüren sind. Durch einen derart langen Abschwung muss laut IWI ein volkswirtschaftlicher Schaden von bis zu 1,76 Mrd. Euro an direkter und indirekter Wertschöpfung (18,6 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfungseffekte der automotiven Zulieferindustrie Österreichs) bzw. ein gesamtwirtschaftlicher Verlust von bis zu 33.000 BeschäfÂtigungsverhältnissen einkalkuliert werden.

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