Von Leo Ochsenbauer
25.05.2009
Keine Macht den Einbrechern
Wie das Bundeskriminalamt vor Kurzem gemeldet hat, wurden in den ersten beiden Monaten des Jahres in ganz Österreich um 40 Prozent mehr Einbrüche in EinfaÂmilienhäuser und um 16 Prozent mehr Wohnungseinbrüche gegenüber dem Vorjahr gemeldet. Insgesamt schlugen die Einbrecher von Jänner bis Februar 4133 Mal zu – und fanden in den meisten Fällen nur unzureichende Tür- und Fenstersicherungsmaßnahmen der Bewohner vor. Allein in Wien stiegen die Wohnungseinbrüche um 28 Prozent und die bei Einfamilienhäusern um stattliche 60 Prozent. Mehr Einbrüche als im Jahr davor hat es bisher auch im Burgenland, in Niederösterreich und Vorarlberg gegeben. Interessant dabei ist vor allem, dass rund ein Drittel dieser Einbrüche nach Expertenmeinung tagsüber begangen wurden. Ein effizienter Einbruchschutz – bei dem die Täter also einige Zeit benötigen würden, um an ihr begehrtes Ziel zu kommen – würde hier also deutliche Abhilfe schaffen. Wobei hier aber noch etliche Österreicher Nachholbedarf haben. Wie eine aktuelle Studie des Sicherheitsanbieters Evva in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Integral belegt, verbessern die meisten Österreicher scheinbar erst dann ihren Einbruchschutz, wenn bei ihnen oder Bekannten eingebrochen wurde – und dann ist es mitunter schon zu spät.
Wirksamer Einbruchschutz
Doch was muss ein Wohnungs- oder Hausbewohner beachten, um wirksam vorzubeugen? Hier kann vorab die Deutsche Industrienorm (DIN) V ENV 1627 für Türen und Fenster, die es seit 1999 gibt, hilfreich sein. So erhält man etwa bei Neu- und Umbauten durch den Einbau geprüfter Fenster und Türen, die in der DIN nach Widerstandsklassen (WK) unterteilt sind (siehe Infobox), einen guten Einbruchschutz. Bei diesen Fenstern und Türen ist sichergestellt, dass es in der Gesamtkonstruktion (also bei Rahmen, Beschlag, Verglasung, Türblatt, Zarge, Schloss und Beschlag) keinen Schwachpunkt gibt. Die Polizei gibt hier als Mindestvoraussetzung die WK2 an.
Wie wir bereits in Metall 12/2008 zum Thema Schließ- und Zutrittssysteme ausgeführt haben, gehen Fachleute von einem effektiven Schutz aus, wenn Einbrecher einige Minuten aufgehalten werden. Nach rund drei bis fünf Minuten Widerstand geben die Langfinger bereits auf, da dieser Â(lange) Zeitaufwand abschreckend wirkt. Doch wie kann ein wirksamer Schutz der eigenen vier Wände am besten bewerkstelligt werden? Metall hat sich in der Branche umgehört und lässt anerkannte Fachleute zu Wort kommen.
Das rät die Wirtschaft
„Um sich vor Einbruch wirksam zu schützen, ist eine sogenannte Außenabsicherung in Verbindung mit einer Alarmanlage am wirkungsvollsten. Wobei das Hauptaugenmerk auf die Sicherung von Türen, im Erdgeschoß auch Fenster, gelegt werden muss, um den Gelegenheitstätern durch entsprechenden Widerstand keine Chance zu geben. Dafür gibt es Sicherheitstüren, die auch als Brandschutztüren oder mit Panikfunktion ausgestattet sind. Von diesen sind natürlich auch die geltenden Normen zu erfüllen.
Bei zweiflügeligen Altbautüren gibt es senkrecht wirkende Sicherheitsschlösser zum nachträglichen Einbau. Aber auch die Füllungen müssen innen mit Verstrebungen oder Blechplatten geschützt werden. Die Außenansicht der Türe bleibt somit erhalten, was gerade in denkmalgeschützten oder schönen Altbauhäusern wichtig ist. Für neue Fenster gibt es bereits Sicherheitsbeschläge, aber auch eine Nachrüstung von Verriegelungssystemen ist möglich.“
Ing. Günter Kromus, Tel.: 01/330 43 31
www.stahlbau-kromus.at
„Ich bin im Bereich mechanische Sicherheit tätig und als eher kleiner Betrieb auf wirklich Kunden- bzw. situationsspezifische Sicherung spezialisiert. Was mir in den letzten Jahren auffällt, ist neben der zahlenmäßigen Zunahme der Einbrüche vor allem die gewaltsamere Art: Die Täter nehmen sich mehr Zeit und verwenden schwereres Werkzeug. Wir haben bereits des Öfteren WK4-(Holz)Türen, welche aufgebrochen wurden, gegen die von uns selbst produzierten WK4-Stahltüren getauscht. Der logische Schluss: Die Insel der ,Seligen‘ sind wir leider nicht mehr. Nur irgendeinen Schutz zu machen, ist nicht ratsam. Auch wenn es am Anfang etwas mehr kostet – Sicherheit muss für lange Zeit geplant werden. Ganz wichtig: Gute Nachbarschaft, immer in Kontakt mit den Nächsten, dann ist die Geschichte vom ,ausgeräumten Haus‘ nicht möglich (,Wir dachten, ihr übersiedelt!‘). Bei Häusern gilt generell: Eine Alarmanlage meldet lediglich, dass ein Einbrecher im Haus ist. Ideal wäre eine Kombination von Mechanik und Elektronik, denn die Mechanik schützt auch, wenn jemand zu Hause ist. Also: Keine Panik, aber rechtzeitig gut überlegen und den höchstmöglichen Widerstand erzeugen, denn es gilt: Einbrecher gehen Âimmer den Weg des geringsten Widerstandes!“
Ludwig Piribauer, Tel.: 02236/37 84 64
www.piribauer.at
„Terrassentüren bzw. Fenster lassen sich am effizientesten mechanisch absichern. Dazu zählen Scherengitter, aber auch fixe Gitter, da der Einbruchschutz auch bei Âgeöffneten oder gekippten Fenstern oder Türen gewährleistet ist. Mit einer entsprechenden Versperrung (z. B. Dreipunktverriegelung) kann dann auch die Widerstandsklasse WK3 erreicht werden.“
Ing. Anton Beran, Tel.: 01/587 53 59
www.beran.co.at !

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