24.06.2009
Gläserne Brücke im hohen Norden
Auf einem 60 Hektar großen Areal entsteht eine spannende Mischung aus Angeboten, die auf den modernen Tourismus zugeschnitten sind, und Bauwerken, die die Geschichte Bremerhavens weiterhin erlebbar machen. So sind Teile der alten Hafenanlagen erhalten geblieben. Der alte Hafen dient noch als Museumshafen, umgeben vom Deutschen SchifffahrtsmuÂseum und dem alten Speicher. Dazu gesellen sich nun auf der Südseite des Hafenbeckens das Columbus Center für ausgiebiges Shoppen und auf der gegenüberliegenden Beckenseite die Havenplaza sowie als wohl größte Attraktion das Klimahaus BremerÂhaven 8° Ost, in dem verschiedene Klimazonen der Erde, große Aquarien und vieles mehr erlebt werden können. Die Stadt wollte ihren Gästen eine regensichere Verbindung zwischen der publikumsträchtigen Shoppingmall Columbus Center auf der Südseite des Hafenbeckens und der EingangsÂebene des Mediterraneos und des Klimahauses sowie der Deichpromenade bieten. Dafür musste der Alte Hafen und die viel befahrene Columbusstraße auf einer Länge von über 100 Metern überquert werden. Eine Herausforderung lag darin, dass der Alte Hafen zwar selten, aber immer noch von MuÂseumsschiffen befahren wird. Die Verbindung musste also zu öffnen sein und sollte auf keinen Fall eine Sichtbarriere im Hafenpanorama bilden. Die Generalplaner, das Ingenieurbüro WTM Engineers GmbH, Hamburg, und das Architekturbüro nps tchoban voss, Hamburg, ließen sich von den früheren DrehÂbrücken in der Schleusenstraße inspirieren. Sie gestalteten eine dynamisch geschwungene Glasröhre, deren Mittelteil sich, auf einem Pylon gelagert, um 90° drehen lässt. Die Brücke ist als steife Röhre konstruiert und überwindet so die große Spannweite mit nur wenigen Stützen. Im Querschnitt ist die Röhre ellipsenförmig und weitet sich im Durchmesser über dem drehbaren Mittelteil. Konstruiert wurde die Röhre aus einer Gehwegtafel mit insgesamt fünf Längsträgern, die im Abstand von 3,5 Metern durch ellipsenförmige Querträger (Spanten) verbunden sind. In Längsrichtung sind diese Spanten über Druck- und Zugrohre ausgesteift, die gleichzeitig als Unterkonstruktion für die punktgehaltene Verglasung dienen.
Unterschiedliche Formate
Die Besonderheit der Glaskonstruktion, für die Schollglas sämtliche Gläser geliefert hat, besteht darin, dass die Brücke vom Drehpunkt aus zu den Ufern in zwei unterschiedlichen Graden bis maximal 3 Prozent geneigt ist. Da die Spanten der Brücke – und damit die vertikalen Glaskanten – jedoch im Lot stehen, sind für alle Gläser unterschiedliche Formate erforderlich. Bei dem sich erweiternden Mittelteil werden daraus sogar trapezförmige Scheiben. So lieferte Schollglas 336 Stück verschieden geformte Gewesafe-Scheiben aus TVG, ausgestattet mit entsprechenden Lochbohrungen zur Befestigung an den beweglichen Punkthaltern. Zur Vermeidung zu starker Sonneneinwirkung sind über die gesamte Länge jeweils die fünf mittleren Dachscheiben mit einem Punktraster-Siebdruck versehen. Nach eigens erstellten Berechnungen zu Sonneneinfall und Wärmeentwicklung ist der Raster dem Sonnenverlauf folgend asymmetrisch auf dem Profil angelegt und verdichtet sich zum Mittelteilpunkt hin. Entsprechend konnte auch hierfür keine einheitliche Bedruckung erfolgen. Jede Scheibe musste gesondert erstellt werden.
Für die – insbesondere im Sommer – erforderliche Belüftung sowie die Entrauchung im Brandfall sorgen 30 RWA-Lüftungsflügel im Firstbereich der Brücke und Lamellenfenster, die beidseitig über die gesamte Länge am Fußpunkt der Brücke angeordnet sind. Ihre Abmessungen folgen ebenfalls der besonderen Brückengeometrie. Um den Querschnitt der Röhre nicht einzuschränken und auch die gläserne Leichtigkeit nicht durch Installationseinbauten zu stören, erfolgt die Beleuchtung der Brücke vom Boden aus. Zu beiden Seiten des eigentlichen Gehwegs besteht der Boden aus Glas, das nachts von unten beleuchtet wird. Dafür lieferte Schollglas begehbares Dreifach-Gewesafe aus TVG, auf das ganzflächig ein rutschhemmender (R 13) Siebdruck aufgebracht wurde. So überspannt des Nachts eine Leuchtskulptur den Hafen, in der bizarr von unten bestrahlte Figuren wandeln.
Factbox
Objekt: Fußgängerbrücke Bremerhaven
Generalplaner: WTM Engineers GMBH, Hamburg
Architekt: nps tchoban voss GmbH & Co. KG, Hamburg
Fassadenkonstruktion: Christophe Lenderoth GmbH, ÂBremen, Glaslieferant: Schollglas Technik Sachsen GmbH, Nossen/OT Heynitz, Weitere Informationen:
Schollglas GmbH, Schollstraße 4, D-30890 Barsinghausen
Tel.: +49 (0) 5105/777-0, E-Mail: info@schollglas.com

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