Schließ- und Zutrittstechnik
07.01.2010
Neue Lösungen für die Sicherheit
Von Christine Müller
Ob in Büro- und Verwaltungsgebäuden, Hotelanlagen, Banken, öffentlichen oder privaten Freizeiteinrichtungen, Krankenhäusern oder Industrie- und Gewerbeobjekten – hochtechnisierte ausgeklügelte Schließanlagen und Zutrittskontrollsysteme, die auch eine aktive Anbindung in Echtzeit von Türbeschlägen und Terminals anbieten, sind mittlerweile überall auf dem Vormarsch. Für Betreiber solcher Systeme ist die Interaktion zwischen unterschiedlichen Sicherheitsanlagen von immer größerer Bedeutung. Mehrere Hersteller haben daher Lösungen in ihr Programm aufgenommen, mit denen ÂSicherheitssysteme verschiedener Disziplinen (Brandmeldetechnik, Einbruchmeldetechnik, Videoüberwachung usw.) und oft auch unterschiedlicher Hersteller miteinander vernetzt werden können. Hierdurch kann der Betreuungsaufwand minimiert und die Umsetzung ganzheitlicher Sicherheitskonzepte erleichtert werden. Drei brandneue Produktlösungen auf dem Sektor der elektronischen Schließ- und Zutrittstechnik bieten neben perfekt ausgeklügelter Technik, höchste Sicherheit bei einfacher Bedienung und bestem Komfort.
Individuellen Lösungen
Zugangskontrollsysteme gehören heute im Objektbereich bereits zur Standardausstattung. Mechanische Schlüssel finden daher immer weniger Verwendung. Für die immer umfassenderen individuellen Lösungen hat die Grundmann Beschlagtechnik GmbH nun mit dem Transponder-Schließsystem TAC eine modulare, mechatronische Zutrittskontrolle in Form eines Baukastensystems entwickelt, die dem Nutzer optimale Funktionalität garantiert. Die TAC-Rosette und das zugehörige Schloss, in denen die Elektronik untergebracht ist, wurden für Vollbautüren aus Holz und Stahl entwickelt. Auf Wunsch kann die Rosette mit integrierter mechanischer Zylindernotöffnung aufgerüstet werden. Der Chip wird meist in einer Karte verschweißt, jeder Kunststoffschlüsselanhänger ist hierfür aber ebenso geeignet. Wo kein Beschlag zum Öffnen oder Schließen vorgesehen ist, wie etwa bei Rolltoren, Schrankenanlagen, Drehkreuzen oder elektrisch betriebenen Türen, gelangt der Wandleser des TAC-Systems zum Einsatz.
Maximale Flexibilität
Thomas Müllner, Produktmanager TAC bei Grundmann Beschlagtechnik, unterstreicht die besonderen Vorteile des Systems, die vor allem bei oft rasch zu erfolgenden Aktualisierungen von Zutrittsberechtigungen zum Tragen kommen: „Das Zutrittskontrollsystem im Objektbereich hat den Vorteil einer ‚lebenden‘ Schließanlage“, einzelne Berechtigungsänderungen sind sofort und ohne Mehrkosten je nach Kundenwunsch über den Online- oder ZeitÂerfassungsterminal eines Unternehmens möglich, das mit der gleichen SQL-basierenden Software angesteuert werden kann. „Die Besonderheit des TAC-Systems liegt in der Kombination von Schloss-Antenne und Objektbeschlag“, präzisiert Müllner. „Die batteriebetriebene Einheit besteht aus einem elektronischen Einsteckschloss, das dem Kunden den Komfort bietet, bei einem berechtigten Zutritt wie gewohnt über den Drücker öffnen zu können. Beim Schließen der Tür wird die Falle fixiert bzw. auch zusätzlich über die Falle verriegelt, wodurch einer einfachen Sabotage vorgebeugt wird.“

V. l. n. r.: Thomas Müllner, Produktmanagement TAC, Grundmann; Alexandra Nagy, Head of Corporate Communications, Evva; Mag. Stefan Penz, GF Assa Abloy Österreich
Da die Antenne im Bereich der Schlüsselrosette platziert wurde, ist am Türblatt keine Beeinträchtigung des Lärm- oder Brandschutzes gegeben. Auch die Gestaltung der TAC-Rosette ist neu: Die bedruckbare Folieneinlage ermöglicht jede individuelle Gestaltung, etwa durch ein Logo. Auch formal anspruchsvollere Drücker können mit dem drückerunabhängigen elektronischen Schloss kombiniert werden. „Somit kann sich der Planer für jedes gewünschte Drückerdesign entscheiden. Der große Vorteil von Grundmann Beschlagtechnik ist es, geprüfte, objekttaugliche Beschläge anbieten zu können“, ergänzt Müllner.
In naher Zukunft bietet TAC auch interessantes Neues: „TAC spricht demnächst eine zweite Sprache. Neben dem bereits bekannten und gut etablierten Legic®-System können wir demnächst eine zweite berührungslose Transpondertechnik anbieten“, erklärt Thomas Müllner durchaus mit einem gewissen Stolz. „Mifare wird mit TAC-Einstemmschlössern kombiniert und ist genauso normkonform und komfortabel wie das erste System.“ Großen Wert legte man bei der Elektronik auf eine Verschlüsselung der Daten. Die Software basiert auf einer SQL-Datenbank, in die optional etwa auch gleich ein Zeiterfassungsmodul für die Lohnverrechnung integriert werden kann. Eine wesentliche Erleichterung für den Benutzer.
Höchste Sicherheit
Mit dem Schließsystem ICS (Innen-Codiert-System) setzt auch der Sicherheitsexperte Evva neue Maßstäbe in Sachen mechanische Absicherung. ICS bietet dank der Kombination dreier unterschiedlicher Sperrtechnologien hohen Einbruchschutz: Das speziell geformte, widerstandsfähige Längsprofil, das bewährte Kurvensystem, das die Schließberechtigung abfragt sowie – weltweit einzigartig – verdeckte, innen liegende Ausnehmungen am ICS-Schlüsselkörper machen unberechtigtes Anfertigen von Schlüsselkopien nahezu unmöglich. Außerdem verfügt ICS über einen Abtast-, Anbohr-, Aufbohr-, Abreiß-, Kernzieh- und Pickingschutz. ICS hat eine extra lange Patentlaufzeit (bis 2028!) und darf nur von Evva oder zertifizierten Evva-Partnern nachgefertigt werden. ICS ist vor allem aber für Unternehmen empfehlenswert, die hohe Nachschlüsselsicherheit und komplexe Schließanlagen benötigen.
Unkomplizierte Bedienung
„Für Betriebe von zirka zehn bis 20 Mitarbeitern und für den privaten Bereich gibt es seit Kurzem den elektronischen Zylinder e-primo“, erläutert Alexandra Nagy, Unternehmenssprecherin von ÂEvva. „e-primo, der ohne Verkabelung, PC oder Software funktioniert, ist ein zeitgemäßes Konzept elektronischer Absicherung, das speziell für private Haushalte, Singles und Small Business entwickelt wurde.“ Karten oder Schlüsselanhänger ersetzen den traditionellen Schlüssel. Bei Verlust oder Diebstahl kann der e-primo-Besitzer Usermedien selbst löschen und auch selbst neu vergeben. Und Berechtigungsänderungen sind überaus unkompliziert direkt am Zylinder durchführbar. Auch bei der Gestaltung lautet die Devise: Freiheit beim Design. Alexandra Nagy erklärt hierzu: „Mit einem online verfügbaren Konfigurator kann jeder sogar gleich selbst seinen persönlichen Wunsch-e-primo zusammenstellen. Außerdem sind Usermedien, Außenknauf oder Kontakte in zahlreichen Farben verfügbar.“

„An jener Stelle, an der bei mechanischen Zylindern der Schlüssel eingeführt wird, wurde bei e-primo ein Knauf angebracht, in dessen Inneren die Elektronik überprüft, wem Zutritt gewährt wird und wem nicht. Zutrittsberechtigungen für neue Mitarbeiter bzw. Familienmitglieder sind binnen Sekunden direkt am e-primo zu erstellen und können bei Bedarf ebenso rasch wieder gelöscht werden“, fasst Nagy die unkomplizierte Bedienung des Systems zusammen. e-primo passt sich unterschiedlichsten Türsituationen an, kann in Standard-Zylinderausnehmungen und somit an den meisten Türen ohne neue Bohrungen eingesetzt werden. Auch Âsicherheitstechnisch erfüllt e-primo höchste Ansprüche: Der Schließzylinder verfügt serienmäßig über einen Aufbohr- und Kernziehschutz und schützt damit zuverlässig vor illegalen Öffnungstechniken.
Drahtlos und online
Als Dritter im Bunde bietet auch Assay Abloy mit der Aperio-Technologie neuesten Standard auf dem Gebiet der Gebäudesicherheit. Aperio vereinfacht die Erweiterung von Online-Zutrittskontrollsystemen und schließt so die Lücke zu mechanischen Türschlössern.
Mag. Stefan Penz, Geschäftsführer von Assa Abloy Österreich, erläutert die Stärke der neuen Aperio-Funktechnologie: „Aperio ermöglicht die Erweiterung bereits bestehender elektronischer Online-Zutrittskontrollsysteme ohne groÂßen Verkabelungsaufwand um weitere mechanische Türen.“
Vernetzte Zutrittskontrolle
Assa Abloy setzt bei Zutrittskontrollsystemen auf die Vernetzung der einzelnen elektronischen Schließzylinder oder Beschläge einer Anlage. „Diese Vernetzung kann entweder kabelbasiert oder – wie mit Aperio – durch Funktechnologie erfolgen“, erklärt Stefan Penz. „Vernetzte Zutrittskontrollsysteme, die ein eigenes BUS-System nutzen, sind aufgrund der damit verbundenen Kabelinstallationen rund um die Türen und Türrahmen oft sehr komplex und kostspielig, sodass deren Einrichtung häufig nur bei Neubauten sinnvoll ist.“ Die neue drahtlose Online-Zutrittskontrolle mit Aperio-Technologie kommt ohne Verkabelung aus. Türen und Schließsysteme müssen zur Erweiterung eines bestehenden Systems nicht ausgetauscht oder extra verkabelt, sondern lediglich durch elektronische Aperio-Schließzylinder, -Beschläge oder -Schlösser ergänzt werden.
Erleichterte Datenverwaltung
Die Aperio-Produkte werden über die bereits vorhandene Software und das bestehende Zutrittskontrollsystem verwaltet. Durch die neue Technologie, die herstellerunabhängig auf einem offenen Standard basiert, kann jedes Zutrittskontrollsystem erweitert werden. Gleichzeitig verbessert Aperio sowohl die Verwaltung als auch die Überwachung des gesamten Systems. „Ein weiterer Vorteil ist das zentrale Management“, präzisiert Mag. Penz weiter. Sind alle Türen online miteinander verbunden, werden die Zutrittsberechtigungen in Echtzeit aktualisiert, sodass eine erhöhte Kontrolle der einzelnen Türen möglich ist. „Auch die Protokollierung der Nutzerdaten und die Zeitzonen verbessern die Sicherheit der Gebäude Âenorm“, freut sich Stefan Penz. Aperio nutzt alle gängigen RFID-Technologien, darunter Mifare, Legic, EM, Hitag und IClass, sodass vorhandene Ident-Mittel in der Regel nicht ausgetauscht werden müssen. Mit nur einem zu verwaltenden Ident-Mittel pro Mitarbeiter können Zutrittsberechtigungen rasch online vergeben und entzogen werden.
Die offene Architektur von Aperio bietet eine komfortable Lösung für den Anschluss an Standard-Schnittstellen. „Für die Funkverbindung bei Aperio wird AES-Verschlüsselung eingesetzt, was außerdem noch für Abhör- und ManipulaÂtionssicherheit sorgt“, fasst Stefan Penz zusammen.

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